Meine Erfahrungen als Volontärin bei den Birgitta Schwestern in Vadstena
Seit einem Monat bin ich als Volontärin bei den Birgitta Schwestern in Vadstena, einer kleinen Stadt mit viel Geschichte direkt am Vättern, in Schweden. Ich wurde von Anfang an mit offenen Armen empfangen, was mir den Einstieg in der Fremde sehr erleichtert hat. Die Leute, welche hier im Gästehaus arbeiten und mithelfen sind alle sehr nett und offen. Glücklicherweise sprechen hier viele Leute deutsch oder englisch, denn bevor ich hierher kam konnte ich noch kaum ein schwedisches Wort, geschweige denn mich auf Schwedisch verständigen. Mittlerweile kann ich sagen, ich habe auch schon meine ersten kompletten Sätze gesprochen, wenn auch sehr langsam und wahrscheinlich mit sehr vielen Fehlern.
Ich wohne und arbeite im Gästehaus, welches die Birgitta Schwestern betreiben. Meine Aufgaben und Arbeiten sind das Frühstück vorbereiten und wieder aufräumen und spülen, die Badezimmer reinigen, staubsaugen, bei den Vorbereitungen für allfällige Feste helfen und manchmal auch die Zimmer putzen. Die meisten Arbeiten werden vormittags erledigt, sodass ich dann am Nachmittag frei bin. Da wir nur selten Gäste zum Abendessen haben ist dann für mich auch schon Feierabend. Am Nachmittag bin ich in der Regel auf mich alleine gestellt und kann machen was ich will. Oft gehe ich spazieren oder joggen. Das geniesse ich hier wirklich sehr. Vadstena ist eine wunderschöne kleine Stadt. Man ist sehr schnell in der Natur und der Vättern lädt auch ein, am Ufer zu flanieren und die Sonnenuntergänge zu geniessen. Zudem backe ich viel in meiner Freizeit hier, ein typisches schwedisches Gebäck sind Kanelbulle (Zimtschnecken), die habe ich als erstes ausprobiert und in meiner Zeit hier schon sehr oft gegessen. Das Gebäck gibt es dann entweder am Sonntags beim Kirchenkaffee, wo jeweils die ganze Gemeinde eingeladen ist. Oder wir essen essen es in der Kaffepause, die wir täglich machen. Die tägliche Kaffeepause im Gästehaus schätze ich sehr, denn die ist sehr wertvoll für den Zusammenhalt in unserem Team und ich kann es sehr gut nutzen um schwedisch zu lernen.
Bis jetzt war ich meistens die einzige Volontärin. Aber es gefällt mir dennoch und ich fühle mich nicht einsam, denn es ist immer jemand hier mit dem ich reden kann. Ich hatte während zwei Wochen Gesellschaft von zwei ehemaligen deutschen Volontärinnen in meinem Alter. Diese Zeit habe ich sehr genossen. Denn sie konnten mir noch einiges mehr von Vadstena und der Umgebung zeigen und haben mir viel Wissen weitergegeben.
Die Arbeit im Gästehaus macht mir grossen Spass und es ist sehr interessant welche Gäste man hier antrifft, woher sie kommen oder was sie herbringt. Viele kommen regelmässig hierher und verbringen ein paar Tage hier.Die Gäste, sowie auch die Kirchengemeinde, sind sehr kommunikativ und sie interessieren sich für mich als Volontärin, zum Beispiel wo ich herkomme oder wie ich genau in Vadstena gelandet bin. Alle schätzen unsere Arbeit sehr. Jeden Sonntag nach der Messe sind alle zum Kirchenkaffee eingeladen. Hier kommen die Kirchenbürger zusammen und können sich austauschen. Dadurch komme ich in Kontakt mit den Katholiken in Vadstena. Die Kirchenbürger hier sind sehr durchmischt. Nur wenige Leute sind wirklich Schweden, die meisten sind Immigranten, so kommen einige aus Deutschland und können mit mir noch etwas Deutsch reden. An Christi Himmelfahrt war gleichzeitig auch die Erstkommunion mit drei Erstkommunikanten. Nach dem Gottesdienst waren alle Besucher eingeladen noch draussen im Garten zu Mittag zu essen. Es gab drei verschiedene salzige Pies und zum Dessert noch süssen Pie. Für mich war es sehr speziell, dass nach der Erstkommunion alle Besucher noch zum Mittagessen eingeladen waren. Wenn ich mich an meine Erstkommunion zurückerinnere waren da mehr als 20 andere Erstkommunikanten mit Familie. Da wäre so etwas kaum möglich gewesen. Aber es war ein schönes Fest, welches alle Beteiligten genossen haben. Erst nach dem Mittagessen ging jede Familie noch individuell weiter.
Auch am Pfingstwochenende war einiges los. Schon seit einigen Jahren feiern Slowenen ihr Pfingstfest bei den Birgitta Schwestern. Es war ein schönes Fest mit slowenischer Volksmusik und viel Tradition. Ich habe bei diesem Fest geholfen die Suppe auszuteilen.
Am 6. Juni war der Schwedische Nationalfeiertag. Da machten wir einen Ökumenischen Ausflug zusammen mit den anderen Kirchen in Vadstena und Umgebung. Wir machten einen Spaziergang mit mehreren Stopps, wo wir für die Kirche, die Politik, die Ausbildung, die Wirtschaft und die Natur gebetet haben. Die Gebete waren laut und es konnte jeder der wollte vor allen beten. Ein Ökumenischer Zusammenhalt der Kirchen wird in Vadstena sehr geschätzt und ist sehr wichtig. Die Kirchen feiern hier nicht nur am Nationalfeiertag zusammen, sondern auch an Ostern und Weihnachten gibt es ein ökumenisches Fest.
Jennifer Squindo
Juni 2017
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